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Artikel 1 - "In einem kühlen Grunde" (Vorarlb. Nachrichten)

Artikel 2 - "Liebe auf den ersten Blick" (Neue, 05.10.08)


 

Kurt Bracharz Pressebericht

Die "Alte Mühle" in Schwarzenberg ist idyllisch gelegen, allerdings so, dass der Feriengast sie von der Straße aus im Vorüberfahren kaum bemerkt, wenn er eine Einkehrmöglichkeit sucht. Die Stichstraße hinunter ins Mühlentobel ist klein und geht in steilem Winkel ab, und wen man nicht aufpasst, ist man schon vorbei.
Hat man einmal hinuntergefunden, geht man über den Mühlenbach und sitzt im Sommer in einem der schönsten Gastgärten des Landes, nahe dem Waldrand, inmitten blühender Stauden.

Der Bau war ursprünglich eine Wassermühle, die "Untere Mühle im Dorn" von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, und noch einmal von 1870 bis 1886. Auch die darauf folgende mechanische Stickerei wurde bis 1920 mittels Wasserrad betrieben. Das aktuelle Mühlenrad im derzeit gar nicht so kühlen Grunde ist allerdings ein Nachbau.

Zum Landgasthof machten Heide Ludwigs und Rainer Welte die "Alte Mühle" 1992, nachdem sie das damals etwas desolate Anwesen sorgfältig renoviert hatten. Heide Ludwigs stand 18 Jahre lang in der Küche, ihre Tochter Marietta Wild arbeitet im Service und übernahm 2003 den Familien-betrieb. Bei Durchsicht meiner Dateien sehe ich , dass die "Alte Mühle" vor zehn Jahren im Gault Millau stand, im "À la carte" aber nicht. Heute ist es umgekehrt, und "À la carte" urteilt:
"Die Art, wie gekocht und präsentiert wird, überzeugt voll und ganz... hier kocht eine exzellente Köchin das, was sie selbst gern isst, für Gäste, die es ihr wert sind."

Für mich gehört die "Alte Mühle" zu den (nicht so vielen) Lokalen, wo ich bei keinem Besuch enttäuscht wurde. Diesmal nahm ich als Vorspeise einen lauwarm marinierten Kalbskopf mit Blattsalat - der kann gar nicht besser schmecken, was zum Teil auch daran liegt, dass der Kalbskopf vom Metzger Schmuck kommt, den ich verdächtige, den besten weit und breit zu führen.

Als Hauptgang gab's außerhalb der Karte Steinpilze auf toskanische Art mit Polenta, die in Scheiben geschnittenen Pilze also in Olivenöl gebraten, daran außer Salz und Pfeffer nur etwas Tomatencoulis: exzellent! Die Topfenknödel an Fruchtsoße zum Dessert gehörten zum bodenständigen Teil der im Übrigen eher italienisch angehauchten Karte.
Als ab 2 Personen reserviertes Sommermenü gibt es:
Millefeuille vom mediterranen Gemüse mit gebratenen Scampi und Basilikumpesto, Lammfilet auf Pfifferlinggnocchi mit Tomatenvinai-grette, Saltimbocca von Kalbssteaks auf Gemüserisotto, Joghurt-kaltschale mit frischen Beeren. Wem das zu mediterran anmutet, der kann ja Wiener Schnitzel, Schweinefilet mit Kartoffelgratin und Marktgemüse oder Tafelspitz ordern.

Frau Wild reagiert auf Kritik.
"À la carte 2008" beklagte noch, es gäbe kaum offene Weine, jetzt stehen fünf Österreicher auf der Karte, als Achtel übrigens, nicht als Dezi.

Kurt Bracharz



Liebe auf den ersten Blick!

Marietta Wild   Gemeinschaftsraum
Geschäftsführerin: Marietta Wild
 
Gemeinschaftsraum im oberen Stock

Marietta Wild (39) und ihre Mutter Heide Ludwigs (65) haben aus der
"Alten Mühle" in Schwarzenberg einen schmucken Gasthof gemacht.

An der Straße von Egg nach Schwarzenberg, geduckt an den Mühltobelbach und geschützt im kühlen Grund, steht der romantische Landgasthof "Alte Mühle". Völlig untypisch für den Bregenzerwald leuchtet die Stirnseite in hellem Gelb. Die Rückseite, die Fensterläden und die Blumenkästen hingegen sind in sattem Rot gestrichen. Und wie es sich für eine Mühle gehört, findet sich an der hinteren Hauswand ein altes Mühlrad.

Heute ist es nicht mehr in Betrieb. Früher wäre es ohne nicht gegangen. Das um 1746 erstmals erwähnte Haus diente bereits als Nagelschmiede, Holzsäge, Bäckerei und mechanische Stickerei. Das Mühlenrad half den Handwerkern mit seiner Kraft bei Ihrer schweren Arbeit.

In seiner wesentlichen Bausubstanz ist das Haus erhalten geblieben. 1989 kauften es Rainer Welte und Heide Ludwigs, die Mutter der heutigen Geschäftsführerin Marietta Wild. "Wir haben das Haus gesehen und uns sofort verliebt", gesteht Marietta. Mit viel Herzblut haben die Drei den Gasthof aufgebaut und behutsam renoviert.

Die "Alte Mühle" beherbergt drei Doppelzimmer. Sie sind, ganz nach der alten Wälderart, recht niedrig. Personen über 1,90 Meter sollten beim Betreten der Zimmer ihren Kopf einziehen - ansonsten machen sie unlieb-same Bekanntschaft mit dem Türrahmen.

"Dreimäderlhaus"

Drei Gästezimmer und einer Gaststube mit sechs Tischen sind ein Mini-Betrieb. Aber gerade groß genug für das Dreigestirn Marietta, ihre Mutter und Köchin Alexandra Zabel (25).

Ganz andere Zeiten erlebte die "Alte Mühle" nach dem zweiten Weltkrieg.
"Damals gehörte das Haus Frieda Flatz, besser bekannt als Tante Frieda. Sie war eine besondere Frau", schmunzelt Marietta. Die erste Welle von Sommerfrischlern aus Holland quartierte sie auf einem Matratzenlager ein.

Im Schwarzenberg der 40-er Jahre sorgte das für Aufsehen: Ein Matratzenlager, in dem so viele Leute, und zum Schluss Männer und Frauen gemischt schlafen, dass war etwas Ungehöriges!

Doch das "Holländische Campinghaus Schwarzenberg" lief gut. Tante Frieda führte es bis in die späten 70-er Jahre. "Nach ihrem Tod im Jahr 1981 fiel das Haus in einen Dornröschenschlaf, aus dem es meine Mutter dann wachküsste", erzählt Marietta.

Heimelige Atmosphäre

Die liebevolle Art, mit dem das Haus außen hergerichtet wurde, ist auch im Inneren deutlich sichtbar. Selbstgemachte Gestecke zieren jeden Tisch der gemütlichen Gaststube. Kleine Skulpturen verschönern die Fensterbänke. An den Wänden hängen Bilder von alten Bregenzerwäldern und anderen Wälder Motiven.

Die entspannende und besondere Atmosphäre der "Alten Mühle" hat sich längst herumgesprochen. Vor allem zu Zeiten der Schubertiade ist es sinnvoll, einen Tisch zu reservieren. Die Künstler nutzen gerne den Garten oder die Gaststube, um sich zu erholen und neue Muße zu schöpfen.

Bericht: ELISABETH WILLI